Ein Gespenst geht um: das Plagiat

Berühmte Vorbilder schaffen die sogenannten Präzedenzfälle! Und weil das so ist, kennt inzwischen in Deutschland ein Jeder / eine Jede das Wort „Plagiat“. Insbesondere steht es in dem Ruf, etwas ganz Verwerfliches zu sein. Meist wird dem Plagiatsvorwurf unter Androhung von Strafe Nachdruck verliehen.

Was ist ein Plagiat?

Was aber ist ein Plagiat? Ein Plagiat liegt dann vor, wenn wörtliche oder sinngemäße Wiedergaben fremden Gedankengutes nicht als solche gekennzeichnet werden. Mit anderen Worten: Es muss richtig zitiert werden, um dem Plagiatsvorwurf zu entgehen. Beispielsweise in Form von Fußnoten oder im sogenannten Fließtext ist genau kenntlich zu machen, woher der Autor / die Autorin einer wissenschaftlichen Arbeit seine Kenntnisse bezieht. Über Sinn oder Unsinn dieser aufwendigen, aber in jeder wissenschaftlichen Arbeit verlangten Technik lässt sich streiten. Da sie jedoch zu den Grundstandards gehört, führt am korrekten Zitat ohnehin kein Weg vorbei.

Übrigens: Die wohl berühmteste Plagiatsaffäre der letzten Jahre dürfte diejenige um Karl-Theodor zu Guttenberg gewesen sein. Der frühere Verteidigungsminister hatte Teile seiner Dissertation abgeschrieben – und eben nicht kenntlich gemacht. Die Universität Bayreuth entzog ihm daraufhin seinen Doktortitel, Guttenberg trat von allen politischen Ämtern zurück.

Im Überblick

  • wenn fremdes Gedankengut nicht kenntlich gemacht wurde, handelt es sich um ein Plagiat
  • die Kennzeichnung kann durch Fußnoten oder im Fließtext erfolgen
  • korrektes Zitieren ist bei jeder wissenschaftlichen Arbeit verlangt
  • die geltenden Zitierregeln sind in der DIN ISO 690 festgelegt

Arten von Plagiaten

Kopie ist nicht gleich Kopie. Beim Plagiat unterscheidet die Wissenschaft sechs verschiedene Arten. Sie zu kennen hilft, eigenes Plagiieren zu vermeiden.

Ideenplagiat: Die wohl klassischste Form des Plagiats. Quellen werden von Dritten kopiert und ohne Kennzeichnung umformuliert.

Strukturplagiat: Die Struktur (bspw. Gliederung, Verzeichnisse und/oder Überschriften) einer fremden Arbeit wird übernommen.

Selbstplagiat: Selbst verfasste Texte oder Passagen werden ohne Hinweis, dass es sich um eigene Inhalte handelt, in eine zweite Arbeit überführt.

Übersetzungsplagiat: Fremdsprachige Quellen werden übersetzt übernommen, ohne auf das Original zu verwiesen.

Textplagiat: Per „Kopieren & Einfügen“ werden ganze Textteile wörtlich zitiert, ohne dass eine Quellenangabe des Zitats erfolgt.

Mosaikplagiat: Eine Sonderform des Textplagiats. Die kopierten Inhalte werden durch Umstellen von Satzteilen oder einzelnen Wörtern neu zusammengestellt.

Wie erfolgt die Plagiatsprüfung?

Bei allen Texten, die allein innerhalb eines Jahres publiziert werden, ist es unmöglich, den Überblick zu behalten. Aus diesem Grund erfolgt die Plagiatsprüfung in aller Regel softwaregestützt. Die Plagiatssoftware gleicht das zu prüfende Werk mit einem Pool aus bereits bestehenden Arbeiten im World Wide Web ab und untersuchen es nach Duplikaten.
Bei einer Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit wird die Plagiatsprüfung in jedem Fall durch die Gutachter der Universität vorgenommen werden. Inzwischen gibt es jedoch eine Menge Dienste im Internet, die eine Überprüfung auch für den Schreibenden ermöglichen.

Die Vorteile richtigen Zitierens

Bei näherer Betrachtung gibt es nichts, was ernsthaft gegen ordnungsgemäßes Zitieren spricht – vom bereits angesprochenen Aufwand mal abgesehen. Wer beispielsweise eine Buchbesprechung zu leisten hat und eine geeignete Quelle findet, bedient sich dieser, indem er sie entweder 1:1 übernimmt oder mit eigenen Worten formuliert. Dazu die entsprechende Anmerkung, aus der hervorgeht, dass die in Rede stehende Passage wörtlich oder sinngemäß übernommen wurde – fertig ist die halbe Arbeit und zugleich der wissenschaftliche Standard (in Bezug auf das sog. wissenschaftliche Arbeiten) erfüllt.

Insbesondere bei wissenschaftlichen Abhandlungen bietet das Zitieren aber mehr als nur die Prävention eines Plagiats. Eine eindeutig zuordenbare Quelle stützt die Argumentation des Autors bzw. der Autorin: Es wird klar ersichtlich, dass seine/ihre Ausführungen auf fundiertem Wissen beruhen. Das stärkt die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft des Textes.
Hinweis: Die Vorgaben für eine korrekte Zitation gehen aus der Norm DIN ISO 690 hervor. Diese sieht zwei unterschiedliche Zitier-Methoden vor: Referenznummern und die sog. „Harvard-Methode“.

Zitation nach DIN ISO 690

Referenznummern

  • erscheinen im Fließtext als eingeklammerte Zahl
  • chronologische Zahlenfolge
  • die Referenznummer taucht im Literaturverzeichnis vor dem zitierten Werk auf
  • das Literaturverzeichnis ist nicht alphanummerisch sortiert
  • in medizinischen und naturwissenschaftlichen Fächern sehr verbreitet

Beispiel: Im E-Commerce gilt es vor allem, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und langfristig zu erhalten. (1)

Harvard-Methode“

  • Quellennachweis als Kombination aus Autoren-Name, Erscheinungsjahr der Quelle und Seitenzahl
  • alphanummerisch sortiertes Literaturverzeichnis

Beispiel: Im E-Commerce gilt es vor allem, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und langfristig zu erhalten. (Kreutzer, 2018, S.238)

Die wesentlichen Vorteile des Zitierens sind

• eine Vereinfachung der eigenen Arbeit
• die Erfüllung aller wissenschaftlichen Standards
• eine Quellenangabe steigert die Glaubwürdigkeit

Der Zweck heiligt die Mittel

Vor Plagiaten muss sich im Grunde nur fürchten, wer sich mit fremden Federn schmückt. Es gilt hier der Grundsatz, dass der Zweck die Mittel heiligt. Wer richtig und reichlich (das nur als Empfehlung!) zitiert, hat die halbe Miete auch schon eingefahren.

Auch ist es keinesfalls gewollt, dass der wissenschaftliche Nachwuchs auf das Aufgreifen fremder Gedankengänge komplett verzichtet. Ganz im Gegenteil: Im Zitat liegt der Nachweis, dass sich der Autor/die Autorin mit der Materie eingehend beschäftigt hat und sein Wissen auf dem aktuellsten Stand der Forschung ist.

Beim Zitat gilt daher, wir sprechen aus Erfahrung: Nicht kleckern, sondern – wenn auch in Maßen – klotzen!