Gedanken zum Ghostwriting
Ghostwriting Service - Agentur für akademische Texte
Das Ghostwriting ist, zumal im Lichte jüngerer „Skandale“[1], für kurze Zeit wieder einmal zu einem öffentlichen Thema gemacht worden. Unter großem Erstaunen wurde da festgestellt, dass es Ghostwriting, dass es Ghostwriter und demzufolge auch solche Personen gibt, die sich des Ghostwritings oder des Ghostwriters bedienen. Welche Entdeckung!
Dabei verlegte sich, kaum ihrer militärisch-politischen und somit auch ökonomischen Macht beraubt, schon die alten Griechen, so sie halbwegs gebildet, auf intellektuelle Dienstleistungen für das aufstrebende Rom. Den neuen Herren der antiken Welt dienten sie als Lehrer und selbstverständlich als Ghostwriter.[2] Welche Praxis sich bewährt und eine bis in die Moderne reichende Tradition begründet hat. Denn was, bitte, liefe heute noch ganz ohne Ghostwriting? Der Ghostwriter ist (obwohl doch ein Geist und also unsichtbar) so allgegenwärtig wie handgreiflich und wird überdies wie selbstverständlich vorausgesetzt. Schon jede Gebrauchsanleitung, jeder Beipackzettel, aber auch jegliche Werbeschrift bedarf eines Ghostwriters.
Doch auch und gerade in jenen Bereichen, in denen Kreativität, Wissen und Sprachgefühl verlangt werden, läuft in einer modernen Gesellschaft ohne den versierten Ghostwriter wenig (bis eigentlich gar nichts). Was wäre – um hier nur wenige Beispiele zu bemühen – der unter der bürdenden Last der Verantwortung und dem entsetzlichen Druck der Termine leidende Politiker ohne seinen Ghostwriter? Nicht wenig seines Glanzes, seiner rhetorischen Eloquenz, seiner argumentativen Stringenz und überhaupt intellektuellen Brillanz hat er seinem blitzgescheiten und sowohl tagespolitisch als auch strategisch vollkommen auf der Höhe befindlichen Ghostwriter zu verdanken.
Nicht weniger zuhause ist der Ghostwriter im laufenden Kulturbetrieb. So mancher wünscht (zumal zum Lebensende) eine Biographie, bedarf dazu aber – wer hätte es gedacht – eines gewieften Ghostwriters. Aus mehr oder weniger interessanten Daten und Vorkommnissen zimmert der Ghostwriter, so er sein Handwerk versteht, nicht nur ein gut leserliches und kurzweiliges, sondern unter Umständen sogar ein ganz gewinnträchtiges Buch.
Dass der Ghostwriter auch den Literaturbetrieb durchsetzt und neben einer Erzählung, einer Glosse und einem Roman auch anderer Gattungen fähig ist, bedarf kaum der Erwähnung.
Und wenn es darum geht, die öffentliche Unterhaltungsindustrie und deren Vortänzer Tag für Tag mit mehr oder minder geistreichen Geschichten, Späßen, Pointen und verbalen Clownerien zu versorgen, so sind wiederum Ghostwriter, mitunter ganze Stäbe von Ghostwritern, gefordert. Ghostwriter übrigens, die jedes intellektuelle Niveau zu bedienen wissen.
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Zu denken allein an die Universitäten und die namenlose Arbeit von wissenschaftlichen Hilfskräften, den sogenannten „Wasserträgern“. Auch diese sind im besten Sinne des Wortes Ghostwriter, Zuträger von Gedanken und Materialien, Lieferanten von Daten und Hintergründen, welche jedoch von anderen verwendet, also auf- und (vor allem) eingearbeitet und schließlich in irgendeiner (modifizierten) Form publiziert werden.
Wissenschaftliches Ghostwriting ist nichts anderes. Der Ghostwriter stellt eine Überlegung zur Verfügung. Der Ghostwriter erstellt eine Materialsammlung, er macht eine Gliederung, ein Exposé, einen Vorschlag eben, einen Entwurf. Der Ghostwriter ist kein Plagiator. Der Ghostwriter stielt kein geistiges Eigentum. Der Ghostwriter schmückt sich nicht mit fremden Federn. Der Ghostwriter gibt lediglich eine Anregung, er entwirft oder konzipiert eine Idee. Der Ghostwriter entwickelt also ein Konzept, auf dessen Grundlage ein Problem, eine Fragestellung überdacht und bewältigt werden kann. Der professionelle Ghostwriter ist mit den diversen Themenfeldern vertraut und verfügt über die nötige Routine, um rasch zu erfolgversprechenden Entwürfen und Anregungen zu gelangen. Insofern stellt der Ghostwriter im besten Sinne des Wortes eine Hilfestellung dar; denn die Erfahrung und das Wissen des Ghostwriters dienen der Erleichterung und der Vereinfachung; oder, um ein Bild zu malen, der Ghostwriter ist ein wissenschaftlicher Wegweiser, er ist ein akademischer Pfadfinder.
Ghostwriting ist somit nichts weiter als eine Dienstleistung, die in einer ungemein schnelllebigen Wissens- und Informationsgesellschaft schier unverzichtbar, die aus einer Welt des immer schärferen Leistungs- und Konkurrenzdrucks schlechterdings überhaupt nicht wegzudenken ist. Der Ghostwriter selbst aber ist der Dienstleister, er stellt eine Ware, ein Produkt her, er bedient eine Nachfrage. Der Ghostwriter bedient nichts weiter als die Nachfrage nach Ghostwriting!
[1]Skandale übrigens, die weniger mit dem Ghostwriting und dem Ghostwriter als mit einem falschen Ehrgeiz der „Verfasser“ der Arbeiten zu tun hatten.
[2]Allein der Vereinfachung halber sei hier und im Folgenden mit der männlichen Form immer auch die weibliche bezeichnet.
